🎙 Mainz Makaber – Episode 3: Der Leichhof
Shownotes
In dieser Folge von Mainz Makaber nehmen wir euch mit an einen Ort, dessen Name bereits alles verrät: den Leichhof. Direkt am Mainzer Dom gelegen, war dieser Platz einst der Domfriedhof – und wer heute dort entlangspaziert, läuft buchstäblich über Geschichte.
Wir sprechen darüber, wie dieser zentrale Ort im Herzen der Stadt von Marktständen, Cafés und dem bunten Leben erfüllt ist – und wie schnell man dabei den ursprünglichen Zweck vergisst. Doch die Vergangenheit ist nie weit: Unter Kopfsteinpflaster und Straßenzügen liegen die Spuren vergangener Jahrhunderte, Skelette und Relikte, die von Mainz’ geschichtsträchtigem Boden erzählen.
Mit einem Augenzwinkern geht es auch um die Herkunft des Begriffs Kopfsteinpflaster – und warum dieser Platz mit seinen klackernden Absätzen auf einmal noch makabrer wirken kann.
Ein Blick auf den Leichhof zeigt: Mainz lebt auf seinen Toten – im wahrsten Sinne des Wortes. 👉 Mehr spannende Hintergründe, makabre Orte und kuriose Geschichten findet ihr auch im Buch Mainz Makaber von Sarah Beicht.
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Transkript anzeigen
00:00:04:
00:00:07: Der
00:00:11: heutige Ort, ĂĽber den wir sprechen, der ist offensichtlich, wenn man sich Gedanken ĂĽber Namen macht.
00:00:18: Ich geb offen zu, ich hab das jahrzehntelang nicht gemacht, bis ich eine Stadtführung teilgenommen hab und dann erklärt wurde, wo ich gerade stehe und wo der Name herkommt.
00:00:31: Genau, wir befinden uns am Leichhof.
00:00:33: Okay.
00:00:35: Genau, also der Leichhof macht nicht wirklich ein Geheimnis daraus, was in Vorzeiten dort mal gewesen ist.
00:00:42: Das ist ein Hof, in den die Leichen reinkamen.
00:00:44: Also wir befinden uns sĂĽdlich des Domes, des groĂźen Mainzer Domes.
00:00:49: Und ja, das war der ehemalige Domfriedhof.
00:00:56: Das heiĂźt, wenn ich im Schatten des Domes stehe, je nachdem, wie die... Ich glaube, da gibt es Schatten, ne?
00:01:01: Ja, ich glaube auch.
00:01:02: Ich weiĂź nicht, zu welcher Uhrzeit, aber es gibt Schatten.
00:01:05: Man steht da im Schatten des Dohums.
00:01:07: Es passt dann wieder wunderbar in die Fassnacht.
00:01:09: Ganz genau.
00:01:10: Mit der Stadt und steht
00:01:12: auf einem Friedhof auf.
00:01:15: Genau, da sind ja auch Marktstände.
00:01:16: Da ist ein tolles Eiskaffee, da ist Leben, da possiert das Leben.
00:01:21: Und ja, und ich glaube, dass vielen MainzerInnen auf dieser ursprĂĽnglichen Zweck ein bisschen vergessen gegangen ist.
00:01:28: Also ja, das ist so ein Hauptknotenpunkt in der Stadt.
00:01:33: Also ich laufe da die Woche mindestens drei, vier Mal ĂĽber den Leichhof und man macht sich halt keine Gedanken.
00:01:40: Nee, ĂĽberhaupt keine.
00:01:41: Wie gesagt, den Begriff, ich wusste halt, dass du Stichwort gesagt hast, weil ich es halt schon gehört habe, aber tatsächlich ist es, und wenn man dann einen Moment nachdenkt, was man da macht.
00:01:50: Ja, genau.
00:01:51: Und das Kuriose an der Sache ist, Der Friedhof ist noch intakt sozusagen.
00:01:58: Also man läuft natürlich mit gewissen Puffer, Straßenbau, Kopfstein, Pflaster.
00:02:05: Aber die Skelette sind dort immer noch.
00:02:08: Also das heiĂźt, wenn man dort graben wĂĽrde, wĂĽrde man noch auf Bereiche dieses Friedhofs stoĂźen.
00:02:14: Also so ist das eh in Mainz.
00:02:16: Wenn man irgendwo buddelt, dann ist die Chance wahrscheinlich sehr, sehr groß, dass man auf irgendetwas stößt, seien es römische Artefakte oder eben Knochen.
00:02:25: Definitiv.
00:02:26: Gibt's, glaube ich, Lars Reicho, weil das, glaube ich, meins wäre begrebst, fällt ein Römer Schiff heraus.
00:02:32: Ja,
00:02:34: mein GroĂźvater war Maurer und der kann ein Lied von singen.
00:02:37: Also das war immer der Witz, sie haben gebuddelt und dann schnell wieder zugeschippt und zwei Meter weiter wieder angefangen, weil er gut hat meins nach dem Krieg wieder aufgebaut und da war die Zeit halt auch einfach nicht da.
00:02:48: Heute macht man das Zum GlĂĽck ein wenig anders.
00:02:51: Ist aber für jeden Bauträger ein Albtraum.
00:02:53: Absolut, ja.
00:02:58: Es verzögert sich um Jahrzehnte, wenn so was passiert, wenn dann erst mal schön ordentlich ausgegraben wird.
00:03:04: Aber so ist es in der
00:03:05: geschichtsträchtigen
00:03:06: Stadt.
00:03:07: Ja, das heißt, wenn man Mainz besucht oder Mainzer Mainzerin ist, dann heißt es, einfach mit Ehrfurcht auch mal über den Platz zu wählen.
00:03:14: Ja, ja, genau.
00:03:16: Sich vielleicht auch mal hinzusetzen, auch mal den Platz so ein bisschen auf sich wirken zu lassen und ja, den Leichhof auf, als das vielleicht sich mal vorzustellen, was er mal gewesen ist.
00:03:25: Wobei ich im Buch mit einer weniger andachtsvollen Noteende, sondern auch mit einem kleinen Sticheln sozusagen, denn bei der Recherche ist mir untergekommen, warum Kopfsteinpflaster, Kopfsteinpflaster heiĂźt.
00:03:40: WorĂĽber ich mir auch nie Gedanken gemacht habe.
00:03:42: Denn Kopfsteine sind natürlich Grabsteine, das ist ja landläufig so, also werden landläufig so genannt.
00:03:50: Aber das Kopfsteinpflaster hat seinen Namen daher, dass die Steine an den menschlichen Schädel erinnern.
00:04:00: Es gibt auch kleines Kopfsteinplaster, das heißt Katzenkopfstein, weil die Steine kleiner sind und Katzenköpfe kleiner sind.
00:04:08: Und das ist mir bei der Recherche untergekommen und dann war wieder so mein, genau, auf mal den Blick schweiĂźen lassen.
00:04:15: Genau, und so ist es dann, wenn man über den Leichhof läuft, vielleicht noch mit etwas Klackern absetzen und dann diese Kopfsteine und naja, und auf einmal bekommt dieser Dieser Skelett, dieser Skelett-Part des Friedhofs, dann doch eine ganz andere Bedeutung.
00:04:30: Ja, das ist so mein Geschenk an die Lesenden, sag ich mal, vielleicht das auch, ja, mit so einer Perspektive da mal drĂĽber zu laufen.
00:04:39: Das finde ich schon sehr makaber, ehrlich gesagt.
00:04:41: Und, ja, wer hat das ausgedacht?
00:04:44: Meinsmakaber.
00:04:45: Meinsmakaber, genau.
00:04:46: Also, es ist schon irgendwie auch eine ironische Bauweise mit Kopfstemplaster auf einem Friedhof.
00:04:58: Der
00:04:59: Podcast
00:05:00: zum
00:05:00: Buch von Sarah Beicht.
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